Der niederländische Schriftsteller und Europa-Chronist Cees Nooteboom ist gestorben. Er wurde 92 Jahre alt und starb in seinem Zuhause auf der spanischen Insel Menorca. Nooteboom prägte über sechs Jahrzehnte die europäische Literatur mit Romanen, Gedichten, Essays und Reisebüchern. Seine Werke kreisten um die großen Themen: Erinnerung, Zeit und die menschliche Existenz.
Seinen internationalen Durchbruch erzielte Nooteboom 1980 mit dem Roman "Rituale", der später verfilmt wurde. Das Debüt "Philip und die anderen" war bereits 1955 erschienen. Weitere bedeutende Werke folgten: "Die folgende Geschichte" 1991 und "Allerseelen" 1998. In "Rituale" formulierte die Hauptfigur Inni Wintrop einen Satz, der zum Leitmotiv seines Schaffens wurde: «Die Erinnerung ist wie ein Hund, der sich hinlegt, wo er will.»
Zeuge der europäischen Geschichte
Nooteboom bereiste Europa seit seiner Jugend und dokumentierte die prägenden Momente des Kontinents. Er erlebte die russische Invasion in Budapest 1956, die Studentenrevolte in Paris 1968 und den Mauerfall in Berlin 1989 – fast zufällig, wie er später erzählte. Zwischen 1989 und 2009 lebte er zeitweise in Berlin, wo er seine "Berliner Notizen" verfasste.
Das Reisen verstand er als Schreibschule und Welterkenntnis. «Um schreiben zu können, ist eine gewisse connaissance du monde nötig. Darum bin ich auf Reisen gegangen», erklärte er. Über die Bedeutung des Unterwegsseins zitierte er gern einen arabischen Philosophen: «Auf Reisen lernt ein Mensch sich selbst kennen.» 2002 schrieb er: «Der Sturm ist die Welt, das Auge ist das, womit er die Welt betrachtet. Im Auge ist es still, und wer sich darin befindet, kann gerade die Dinge unterscheiden, die den Sesshaften entgehen.»
Zwischen Sprachen und Welten
Trotz seiner Vielsprachigkeit schrieb Nooteboom ausschließlich auf Niederländisch. Die Sprache war ihm Heimat, zugleich aber auch ein Gefängnis: «Ich komme nie raus, es sei denn, durch eine gute Übersetzung.» Als junger Autor nach seinem Debüt 1955 beschloss er: «Die übertriebene Lyrik muss aus meinen Werken heraus.» Er verstand sich dennoch primär als Lyriker, auch wenn sein Werk Romane, Essays und Reisebücher umfasste.
Nooteboom lebte abwechselnd in Amsterdam und auf Menorca, wo er mit seiner Frau, der Fotografin Simone Sassen, Haus und Garten pflegte. Sein präziser, bildhauerischer Schreibstil – er verglich das Schreiben mit dem Meißeln an Worten – brachte ihm Ehrungen in vielen Ländern ein.
Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.








