- Sonntag im Jahreskreis – A
- Lesung: Jes 8,23b – 9,3
- Lesung: 1 Kor 1,10–13.17
Evangelium: Mt 4,12–13
In diesem Jahr kommen am dritten Sonntag im liturgischen Jahreskreis und am letzten Sonntag im Monat Januar zwei Bereiche zusammen, die eine Botschaft senden. Diese Bereiche sind die Lesungen, die im katholischen Gottesdienst vorkommen, und der Gedenktag an die Oberschlesische Tragödie 1945–1946. Die eine Botschaft lautet: Finsternis über den Völkern und Nationen. Und nur das Licht kann die Dunkelheit vertreiben.
Finsternis über Galiläa zu Zeiten Jesu
Über die Region Galiläa, die Heimat Jesu, verfasste Iris Mankiewicz in Marburg eine Abhandlung. Sie beschrieb das Land u. a. als ein Gebiet, in dem Herodes Antipas regierte (4 v. Chr. bis 39 n. Chr.). Zu seiner Zeit „wurde Galiläa in den Quellen nicht mehr erwähnt; fast hat es den Anschein, als habe Herodes dieses Gebiet aus den Augen verloren“. Die ältere und neuere Forschung zeigt, dass Herodes sein Land mit großer Härte regierte. In seinem Bemühen um den Thron konnte er auf eine starke militärische Macht, einen tüchtigen Beamtenapparat und ein Heer von Agenten zurückgreifen. Nach den Berichten des Historikers Josephus Flavius (ca. 37–100 n. Chr.) ließ Herodes seine Untertanen von Spionen beobachten, um bei den geringsten Anzeichen von Unruhe zuschlagen zu können, und umgab „das ganze Volk mit Festungen, damit es nicht nach Belieben Unruhen erregen könnte“. Herodes’ Herrschaft wies alle Anzeichen einer Tyrannei auf. Galiläa war in diesem System lückenloser Kontrolle nicht mehr in der Lage, Widerstand zu leisten.
Gedenktag Oberschlesische Tragödie Lamsdorf 2026.Foto: Stefani Koprek-Golomb
Galiläa war von den Stämmen Issachar, Sebulon, Naphtali und Asser besiedelt worden. Seit der Landnahme war es niemals ein rein jüdisches Gebiet. Nach den ständigen Herrschaftswechseln in seiner Geschichte war die Bevölkerung Galiläas durch Einwanderer zu einem unübersehbaren Konglomerat von Israeliten, Medern, Aramäern, Arabern, Phöniziern und Griechen geworden. Im Schmelztiegel des Hellenismus entstand in diesem Land ein griechisch orientiertes Völkergemisch. Der Glaube an den einen Gott, den Schöpfer und Beschützer des Volkes Israel, wurde eingedämmt und verlor dadurch seine tragende Kraft. Somit konnte mit einer religiösen Wende zugunsten der Stämme Israels kaum gerechnet werden.
Vor diesem Hintergrund reicht der Evangelist Matthäus den Einwohnern Galiläas die Worte des Propheten Jesaja weiter: „Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: Das Volk, das im Dunkel saß, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.“
Licht für die Zukunft zu Zeiten Jesu
Das Licht, von dem der Prophet Jesaja spricht, ist Jesus, der Messias, der menschgewordene Gottessohn. Auch wenn wir schon fast am Ende des ersten Monats des Jahres 2026 angekommen sind, können wir uns deutlich an die Botschaft von Weihnachten und Neujahr erinnern (Joh 1,9–12): „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben.“
In unserem Jahrhundert sind die militärischen Auseinandersetzungen – leider – nicht verschwunden. Das Licht, das Jesus selbst in die Welt gebracht hat, wird dringend benötigt.
Um die Menschen aus der Finsternis ihres Denkens und Handelns zu befreien, rief ihnen Jesus zu Beginn seiner Verkündigung zu: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“ Anders gesagt: Überdenkt euer Verhalten, wendet euch Gott zu, lasst euch von Habgier, Hass und Herrscherwahn befreien. Werdet zu Schwestern und Brüdern, zu Kindern Gottes, zu einer Familie von Menschen des Lichtes. Diesem Ruf, dieser Warnung und Einladung konnte die Menschheit in ihrer Geschichte nur phasenweise folgen.
Finsternis über den Völkern im 20. Jahrhundert
Erstaunlich ist, dass Despoten und Diktaturen in der Geschichte immer wieder auftauchen und das Leben der Menschen zur Hölle machen. Grausam und menschenverachtend waren im 20. Jahrhundert die totalitären Systeme: der Kommunismus, der auf russischem Boden um 1920 entstand und bis 1991 in der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken wirkte; der Faschismus in Italien unter Mussolini, der sich von 1922 bis 1943 hielt; sowie der Nationalsozialismus in Deutschland von 1933 bis 1945, der den Zweiten Weltkrieg entfachte. Die Gräueltaten der nationalsozialistischen Streitkräfte waren unbeschreiblich brutal. Millionen von Menschen – Juden, das Volk der Roma, die slawischen Einwohner Europas, insbesondere Polen, Tschechen und Slowaken – wurden auf grausame Weise vernichtet. In den Zweiten Weltkrieg wurden unter anderem junge und ältere Männer aus Schlesien einbezogen und an die Front geschickt. Viele von ihnen kehrten nicht mehr nach Hause zurück.
Gedenktag Oberschlesische Tragödie Lamsdorf 2026.Foto: Stefani Koprek-Golomb
In Oberschlesien blieben während des Krieges die Facharbeiter in der Stahl- und Kohlenindustrie sowie in der Waffenproduktion in ihren Betrieben. Nach dem Einmarsch der Roten Armee in die oberschlesischen Städte wurden über 40.000 Menschen in die Sowjetunion verschleppt – eine weitere tragische Folge des Krieges. Aus den kommunistischen Arbeitslagern kehrten nur wenige in ihre Heimat zurück. Hinzu kamen Morde, Vergewaltigungen und Raubüberfälle sowie Verhaftungen und Folter. Die „Tragödie von Oberschlesien“ wird heute meist als die Repressionen verstanden, denen die Einwohner Oberschlesiens in den Jahren 1945–1946 aus nationalistischen Gründen durch die kommunistischen (sowjetischen und polnischen) Machthaber ausgesetzt waren.
Eine weitere dramatische Folge des Krieges war die Vertreibung der deutschen Bevölkerung Schlesiens aus ihren Häusern, Wohnungen und Besitztümern. Dabei handelte es sich nicht nur um Oberschlesien, sondern in weit größerem Ausmaß auch um Niederschlesien. Das sind schmerzhafte und erschütternde Konsequenzen eines entfesselten Krieges. Die Vergangenheit zeigt deutlich, dass militärische Übergriffe, die Vernichtung der Bevölkerung einzelner Staaten und Nationen, Deportationen, Vertreibungen, die Einweisung in Arbeitslager, die totalitäre Kontrolle der Bewohner und der Entzug ihrer Freiheit katastrophale Folgen haben und zu fast lebenslangen Krisen in den gegenseitigen Beziehungen führen. Auch nach 80 Jahren wird hier noch immer ein Durchbruch in Richtung Mut zur Aufklärung und Aufarbeitung benötigt.
Licht und Zukunft für das 21. Jahrhundert
In unserem Jahrhundert sind die militärischen Auseinandersetzungen – leider – nicht verschwunden. Das Licht, das Jesus selbst in die Welt gebracht hat, wird dringend benötigt. Er – als Licht der Welt – ist die Kraft für einen Frieden, der das Menschliche zum Nachdenken, zur Vergebung und zur Versöhnung bewegen kann. Jesus, der Sohn Gottes, kann die menschliche Vernunft heilen und sie zu Entscheidungen führen, die den Frieden fördern und ermöglichen.
Das Evangelium nach Matthäus zeigt uns das Wirken des Messias. Er ruft die Menschen in seine Nachfolge. Damals waren es Petrus und Andreas, Jakobus und Johannes. Heute könnten den Fischern von Kafarnaum die gegenwärtigen Herrscher aus Moskau, New York, Kiew, Jerusalem und Palästina, aus dem Kongo und Nigeria, aus Kolumbien, Venezuela und vielen anderen Orten der Welt folgen. Jesus selbst „zog in ganz Galiläa umher – wie wir bei Matthäus lesen –, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden“.
Wir alle könnten die heilwirkende Nähe Jesu Christi dringend brauchen – für uns und für die Welt. Dem steht nichts im Wege außer dem menschlichen Willen. Beginnen wir, Jesus, den Gottessohn, zu wollen und ihm zu folgen. Gewiss kann das die ersehnten Veränderungen bewirken.
















