Vier Landwirte in Baden-Württemberg haben sich im Jahr 2025 das Leben genommen. Als Reaktion auf die Suizide hat das zuständige Landesministerium einen Runden Tisch ins Leben gerufen und stellt 350.000 Euro bereit, um niedrigschwellige Unterstützungsangebote für Bauern aufzubauen. Ein sogenanntes Kümmerer-Netzwerk soll entstehen, in dem Landwirte sich gegenseitig helfen.
Markus Ehrmann bewirtschaftet seit 2009 den elterlichen Hof in Herbertshausen im Kreis Schwäbisch Hall. Der promovierte Agrarwissenschaftler, der ehrenamtlich Mitglied der Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg ist, schilderte dem Evangelischen Pressedienst (epd) die psychische Belastung seines Berufs: «Wir können die Verantwortung nicht abgeben.» Die ständige Sorge um die Tiere zehrt an den Nerven. «Wenn drei Tiere sterben, geht das auf die Psyche», so Ehrmann. Selbst Urlaub bedeutet keine Entlastung: «Urlaub ist auch deshalb mental anstrengend, wenn man keine guten Leute hat, die dafür sorgen, dass nichts Essenzielles während der Abwesenheit kaputtgeht.»
Forschung hinkt hinterher
Christine Niens, Sozialwissenschaftlerin und Agrarökonomin am interdisziplinären Johann-Heinrich-von-Thünen-Institut in Braunschweig, hat die Belastungen von Landwirtinnen untersucht. Sie stellte bei einer Fachtagung an der Ländlichen Heimvolkshochschule des Evangelischen Bauernwerks in Württemberg fest: «Die Studienlage in Deutschland hinkt hinterher.» Länder wie Frankreich, Irland, die Schweiz und Österreich seien in der Erforschung psychischer Gesundheit in der Landwirtschaft weiter.
Niens beschreibt spezifische Probleme: «Leben und Arbeiten sind auf dem Hof vor allem auf Familienbetrieben nicht getrennt.» Besonders Frauen leiden unter traditionellen Rollenbildern und alten Hofübergaberegelungen, die sie zur Pflege älterer Generationen verpflichten. In Ostdeutschland führten Rationalisierungsmaßnahmen nach der Wende zu extremen Belastungen: «Die Rationalisierungsmaßnahmen nach der Wende sorgten für eine sehr hohe Arbeitsbelastung von teilweise 48 bis 50 Stunden oder mehr pro Woche.»
Öffentlicher Druck wächst
Die Forscherin betont zudem die gesellschaftliche Dimension: «Das zunehmende öffentliche Interesse an Tierwohl, Umweltschutz und Ausgleichszahlungen sorgt für eine kritische Haltung gegenüber der Landwirtschaft und geht oft mit fehlender Wertschätzung der bäuerlichen Arbeit einher.» Trotz moderner Technik wie GPS-gesteuerter Traktoren, Melkrobotern und KI-gestützter Unkrautkontrolle bleibt die Landwirtschaft körperlich und mental fordernd.
Das Mehrgenerationenleben auf Höfen birgt hohes Konfliktpotenzial. Familiäre Solidarität kann das Durchbrechen traditioneller Rollenmuster erschweren. Landwirte stehen zudem unter moralischem Druck, die Arbeit ihrer Eltern fortzuführen. Die Produktivität des Betriebs hat dabei oft Vorrang vor dem Wohlbefinden der Menschen. Schwäche zuzugeben fällt in der Landwirtschaft besonders schwer.
Kümmerer-Netzwerk startet
Am Runden Tisch des Ministeriums nehmen der Landesbauernverband Baden-Württemberg und der Kirchliche Dienst auf dem Lande (KDL) teil. Mit den 350.000 Euro sollen Vertrauenspersonen gewonnen werden. Peter Schock, Leiter des KDL der Evangelischen Landeskirche in Baden, erklärt das Konzept: Landwirte sollen sich freiwillig als Ansprechpartner für Kollegen anbieten. «Das Allerwichtigste ist dieser erste Schritt», betont Schock. Die Kirche übernimmt eine unterstützende Rolle: «Als Kirche stehen wir in der 2. Reihe und sorgen dafür, dass sich die Kümmerer-Landwirte nicht übernehmen.»
Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.







