Deutsche Filme auf der großen Leinwand

wochenblatt.pl 2 godzin temu
Zdjęcie: Die Deutsche Filmwoche wird jedes Jahr von gut 12.000 Zuschauerinnen und Zuschauern besucht. Foto: Victoria Matuschek/Archiv


Die Deutsche Filmwoche 2026 bietet ein erlesenes Kinoerlebnis in zehn polnischen Städten

Aktuelles deutsches Kino ist in den kommenden Wochen in Polen auf der großen Leinwand zu erleben. Die Deutsche Filmwoche bringt eine Auswahl preisgekrönter und viel diskutierter Produktionen in zehn Städte – darunter Filme, die sonst nicht ins reguläre Kinoprogramm gelangen. Was das Festival besonders macht und welche Filme in diesem Jahr zu sehen sind.

Das Neueste aus dem deutschen Kino ist bald wieder in Polen zu entdecken: Vom 22. Januar bis zum 5. Februar findet die Deutsche Filmwoche in zehn polnischen Städten statt. Gezeigt werden deutsche Filme in der Originalfassung mit polnischen Untertiteln. Darunter sind zahlreiche Produktionen, die es nicht in den regulären polnischen Kinoverleih schaffen. In diesem Jahr stehen zudem zwei Filme auf dem Programm, die es auf die Shortlist für den Oscar als bester internationaler Film geschafft haben.

Zwei Anwärter für einen Oscar

Mascha Schilinskis In die Sonne schauen erzählt von Frauen aus vier Generationen, die zu unterschiedlichen Zeiten in der Altmark in Norddeutschland leben – vom Kaiserreich über den Zweiten Weltkrieg und die DDR bis in die Zeit nach der Wiedervereinigung. Der Film thematisiert Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen, die oft beiläufig erscheinen, aber lange Schatten bis in die Gegenwart werfen. Visuell arbeitet Schilinski mit einer bewusst körnigen Ästhetik; Teile des Films wurden mit einer Lochkamera gedreht. Diese besondere Bildsprache unterstreicht die zeitübergreifende Erzählweise.

Der Eröffnungsfilm Heldin begleitet eine komplette Nachtschicht einer Krankenpflegerin in einem Zürcher Krankenhaus. Durch die unmittelbare Nähe von Kamera und Erzählweise überträgt sich die Anspannung der Protagonistin – gespielt von der herausragenden Leonie Benesch – auch auf das Publikum. Der Film macht die Spannungen zwischen Personalmangel, Verantwortung und der Notwendigkeit von Empathie im Pflegealltag unmittelbar spürbar. Die schweizerisch-deutsche Koproduktion ist der Schweizer Beitrag im Rennen um den internationalen Oscar.

Von Fatih Akin bis zum Nachwuchskino

Organisiert wird die Deutsche Filmwoche gemeinsam vom Nürnberger Haus in Krakau, dem Goethe-Institut Warschau und dem Deutschen Generalkonsulat in Breslau. Das Programm umfasst Filme, die im vergangenen Jahr Premiere gefeiert haben – von etablierten Regisseuren ebenso wie von neuen Stimmen des deutschen Kinos.

Zu den prominenten Beiträgen zählt Amrum, der neue Film von Fatih Akin („Gegen die Wand“, „Aus dem Nichts“). Die Geschichte spielt in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs: Ein Junge zieht mit seiner Familie von Hamburg auf die Insel Amrum, um den Bombardierungen zu entkommen. Als seine Mutter in eine Depression verfällt, versucht er auf eigene Faust, ihr einen Wunsch zu erfüllen – und wird dabei mit Situationen konfrontiert, die ihn herausfordern. Der Film basiert auf den Kindheitserinnerungen des kürzlich verstorbenen Regisseurs und Schauspielers Hark Bohm.

Grafik: Goethe-Institut Warschau/Katarzyna Godyn-Skoczylas

Ein gefeiertes Spielfilmdebüt ist mit Karla der griechisch-deutschen Regisseurin Christina Tournatzés zu sehen. Der Film wurde beim Filmfest München für die beste Regie und das beste Drehbuch ausgezeichnet. Erzählt wird die Geschichte eines Mädchens, das sich mithilfe des Rechtssystems gegen den Missbrauch durch ihren Vater zur Wehr setzt. Die kompromisslose Darstellung ihres Kampfes um Gerechtigkeit ist von realen Ereignissen aus dem Jahr 1962 inspiriert.

Zehn Städte, ein Festival

Im Vergleich zum Vorjahr wächst die Deutsche Filmwoche weiter: Kielce kommt als neuer Spielort hinzu. Damit finden Vorführungen in Warschau, Krakau, Breslau, Łódź, Posen, Danzig, Oppeln, Kattowitz, Kielce und Rzeszów statt.

In Oppeln laufen die Filme im Kino Helios, einzelne Vorstellungen auch im Kino Meduza und im Kino Studio. In Breslau ist das Kino Nowe Horyzonty Spielstätte, in Kattowitz das Kino Światowid.

Breites Programm

Mehrere der gezeigten Produktionen waren bereits auf renommierten Festivals wie der Berlinale oder dem Filmfest München zu sehen. Einen festen thematischen Schwerpunkt gibt es bewusst nicht. „Wir möchten die besten und neuesten Produktionen zeigen und dabei ein möglichst breites Spektrum an Themen abdecken“, erklärt Michał Tomiczek, der die Filmwoche für das Deutsche Generalkonsulat in Breslau mitorganisiert.

Gerade darin liegt der besondere Wert des Festivals: Nur wenige deutsche Filme gelangen regulär in den polnischen Kinoverleih. Der Oscar-Anwärter „In die Sonne schauen“ startet zeitgleich mit der Filmwoche regulär in den polnischen Kinos, Babystar folgt ab März.

Babystar wirft einen satirischen Blick auf die Welt von Jugend- und Familien-Influencern. Im Mittelpunkt steht eine Jugendliche, die sich gegen das von ihren Eltern inszenierte Bild der perfekten Familie auflehnt. Um ihr Social-Media-Business zu retten, planen die Eltern kurzerhand ein neues Kind als künftigen Star. Der Film ist das Spielfilmdebüt von Joscha Bongard.

„Wir möchten die besten und neuesten Produktionen zeigen und dabei ein möglichst breites Spektrum an Themen abdecken.“
Michał Tomiczek, Kultur und Pressefererat des Generalkonsulats Breslau

Die übrigen Filme sind voraussichtlich ausschließlich im Rahmen des Festivals zu sehen. Bevor die Filme während der Deutschen Filmwoche gezeigt werden können, werden sie technisch aufbereitet und mit polnischen Untertiteln versehen – ein erheblicher organisatorischer Aufwand.

Von regionalen Reihen zum landesweiten Festival

Die Anfänge der Deutschen Filmwoche liegen über 30 Jahre zurück. Ursprünglich organisierten die heutigen Veranstalter jeweils eigene regionale Filmreihen. Der Anstoß zur Zusammenarbeit entstand bei einem Treffen während der Berlinale. „Als wir uns über unsere Programme austauschten, stellten wir fest, dass wir ähnliche Filme auswählten und uns thematisch gut ergänzten“, erinnert sich Tomiczek. Aus diesem Austausch entwickelte sich eine gemeinsame, landesweite Filmwoche.

Anfangs wurden die Filme ausschließlich in der unveränderten Originalfassung gezeigt. Mit der Einführung polnischer Untertitel öffnete sich das Festival einem breiteren Publikum. Heute zählt die Deutsche Filmwoche zu den festen Terminen im deutsch-polnischen Kulturkalender und erreicht jährlich über 12.000 Besucherinnen und Besucher. Zum Programm gehören auch spezielle Schulvorführungen.

Logistische Grenzen eines großen kleinen Festivals

Die zehn parallelen Spielstätten sind im polnischen Festivalbetrieb eine Besonderheit – stellen die Organisatoren jedoch auch vor Herausforderungen. Die Lizenzen der deutschen Verleiher erlauben nur eine begrenzte Anzahl an Vorführungen. „Wir würden die Filme gern in weiteren Städten zeigen, doch unser finanzieller Rahmen setzt klare Grenzen“, so Tomiczek. Immer wieder müssen interessierte Städte daher auf eine Teilnahme verzichten.

Eröffnung und Höhepunkte

Bereits am Samstag, dem 17. Januar, stimmt in Breslau der Klassiker Lola rennt von Tom Tykwer auf das Festival ein. Ab dem 23. Januar ist an allen Standorten nahezu täglich deutsches Kino zu sehen.

Auch das neueste Werk von Tom Tykwer Das Licht wird während der Filmwoche zu sehen sein. Im Mittelpunkt des Films steht eine Berliner Familie mit zwei Teenagerkindern. Der Tod der langjährigen Haushälterin und der Einzug einer neuen bringen festgefahrene Muster ins Wanken. Der Film verhandelt Themen wie Migration, Klimaaktivismus und Pubertät – und zeichnet zugleich ein vielschichtiges Porträt Berlins.

In Oppeln läuft der Eröffnungsfilm Heldin“ am 23. Januar um 18 Uhr im Kino Helios, in Breslau am selben Abend um 19 Uhr im Kino Nowe Horyzonty. In Kattowitz startet die Filmwoche eine Woche später, am 30. Januar, ebenfalls mit „Heldin“.

Weitere Höhepunkte sind die Gesellschaftskomödie Feste & Freunde – Ein Hoch auf uns!, die deutsch-polnisch-belgische Koproduktion Köln 75 über das legendäre Keith-Jarrett-Konzert sowie Stiller, Stefan Haupts Verfilmung des Max-Frisch-Romans über Identität und Selbstflucht.

Weitere Informationen

Eine vollständige Übersicht über alle Spielstätten, Filme und Vorführzeiten findet sich auf der Internetseite der Deutschen Filmwoche. Ausführliche Filmbeschreibungen auf Deutsch und die Trailer bietet zudem die Website des Goethe-Instituts.

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